Die Aujeszkysche Krankheit (AK, auch Pseudowut) breitet sich in deutschen Wildschweinbeständen weiter aus. Erreger ist ein Herpesvirus, das im Schwein lebenslang latent bleibt und unter Stress reaktiviert werden kann. Für Hunde verläuft eine Infektion praktisch immer tödlich; für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.
Zur Verbreitung: Eine Monitoring-Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts an rund 110.000 Blutproben ergab eine durchschnittliche Seroprävalenz von etwa 12 Prozent, regional in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 45 Prozent. In Niedersachsen stieg die Zahl positiver Tiere von vier im Jahr 2011 auf 291 in 29 Landkreisen im Jahr 2025; auch Hessen meldet seit 2023 wiederholt positive Wildschweine.
Das statistische Einzelrisiko je Jagd bleibt gering — für 2013 bis 2023 sind bundesweit neun laborbestätigte Erkrankungsfälle bei Hunden dokumentiert, wobei von einer höheren Dunkelziffer auszugehen ist. Die Übertragung erfolgt über Sekrete des Schwarzwilds, insbesondere Speichel; das Virus bleibt außerhalb des Wirts bemerkenswert stabil und wird zuverlässig erst durch Erhitzen abgetötet. Erste Symptome zeigen sich meist binnen weniger Tage, Leitsymptom ist ein kaum stillbarer, einseitig am Kopf auftretender Juckreiz. Eine Behandlung gibt es nicht.
Für Hundeführer bleibt praktisch nur die Prophylaxe: unnötiges Belecken und Zausen von erlegtem Schwarzwild unterbinden, kein rohes Schwarzwild verfüttern. Ein zugelassener Impfstoff für Hunde existiert in Europa nicht; Lebendimpfstoffe für Schweine dürfen bei Hunden keinesfalls eingesetzt werden. Der Autor rät zu Aufmerksamkeit statt Panik.
Quelle: Dr. Stefan Birka, „Der unsichtbare Feind“, in: SAUEN, Ausgabe 2/2026, S. 46–47.
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