Der Beitrag bündelt den Forschungsstand zu den Folgen zunehmender Trockenheit für das Offenlandwild. Nach Analysen des Deutschen Wetterdienstes nehmen Häufigkeit und Intensität von Trockenperioden zu, während Niederschläge vermehrt als Starkregen fallen und oberflächlich abfließen. Die Folge ist sinkende Bodenfeuchte: Bäche führen Niedrigwasser, kleinere Zuflüsse versiegen, temporäre Tümpel trocknen früh aus. Gerade diese Kleingewässer beherbergen nach Angaben des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie bis zu 70 Prozent des regionalen Süßwasser-Artenpools.
Folgen für das Wild
Wildtiere müssen größere Distanzen zu den verbleibenden Wasserstellen zurücklegen oder sich dort konzentrieren — mit erhöhtem Stress, mehr Konkurrenz und größerem Krankheitsrisiko, etwa durch Leptospirose oder das West-Nil-Virus. Trockenstress mindert zugleich Menge und Qualität der Äsung; bei Reh, Feldhase und Wildschwein hängen Körperkondition und Reproduktionserfolg eng am Nahrungsangebot. Hinzu kommt der Rückgang der Insekten, deren Biomasse in deutschen Schutzgebieten seit Ende der 1980er-Jahre um mehr als 70 Prozent zurückgegangen ist — für Küken bodenbrütender Arten wie Rebhuhn, Feldlerche und Wachtel eine existenzielle Ressource. Hitzewellen zwingen viele Arten zusätzlich zur Verlagerung ihrer Aktivität in die Nachtstunden, was die Zeit für Äsung und Fortpflanzung verkürzt. Besonders gefährdet sind Jungtiere, deren Thermoregulation noch nicht ausgereift ist.
Empfehlungen
Für die Landwirtschaft nennen die Autoren vielfältige Fruchtfolgen, reduzierte Bodenbearbeitung, Hecken, Uferrandstreifen und Agroforstsysteme, um Wasser länger in der Fläche zu halten, sowie Feldränder, Blühstreifen und Brachen als Nahrungs- und Deckungsräume. Für die Jägerschaft steht die Anlage und Pflege von Wasserstellen in enger Abstimmung mit Grundeigentümern und Bewirtschaftern im Vordergrund: regelmäßig kontrollieren, reinigen und nachfüllen, flache Uferzonen oder Ausstiegshilfen vorsehen und eine übermäßige Konzentration von Wild und Prädatoren vermeiden. Ergänzend werden Äsungsflächen, Wildäcker, Streuobstwiesen und mehrjährige Brachen empfohlen.
Quelle: Dr. Johanna Maria Arnold und Dr. Janosch Arnold, „Wassermangel im Jagdrevier – Auswirkungen des Klimawandels auf Wildtiere und ihre Lebensräume“, in: HALALI – Jagd, Natur & Lebensart, Ausgabe 03-2026 (August–Oktober 2026), S. 16–28.
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