Wo gibt’s die meisten Osterhasen?

„Wer echte Osterhasen sehen will, muss früh aufstehen“, sagt Dr. Ernst-Ulrich Wittmann, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe, des Jagdschutz- und Jägerverein Dachau (JJVD). Er kennt sich aus mit der Hasenzählung. „Kurz nach Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang sind die Feldhasen am aktivsten. Deshalb fahren jetzt im Frühjahr bei Dunkelheit die Jäger mit großen Scheinwerfern durch die Flur. Sie zählen die Hasen in ihrem Revier.“ Beim Bayerischen Jagdverband werden alle diese Daten gesammelt und ausgewertet.

Rund 27 Feldhasen pro Quadratkilometer besiedeln im Durchschnitt Felder und Wiesen in Bayern, das hat die letzte Hasenzählung im Herbst 2018 ergeben. Bundesweit sind es mit 11 Hasen pro Quadratkilometer deutlich weniger. Die meisten Langohren haben die bayerischen Jäger in Unterfranken und in Niederbayern aufgespürt.

2018 hat die Zahl der Hasen im Laufe des Jahres um 11 Prozent zugenommen. Das zeigt der Vergleich der Zählergebnisse vom Frühjahr und vom Herbst. Von einer Entwarnung kann allerdings nicht gesprochen werden, weil die Hasenpopulation auf einem sehr niedrigen Niveau ist.

Ein wichtiger Grund für den Zuwachs: das herrliche Sommerwetter. Vor allem ein trockenes, warmes Frühjahr sorgt dafür, dass viele kleine Hasen überleben. Anhaltende Nässeperioden dagegen bedeuten für die Junghasen den sicheren Tod.

Entscheidend für die Zahl der Hasen in Feld und Flur ist neben dem Klima aber auch die Beschaffenheit des Lebensraumes. Hasen brauchen Hecken und Feldraine, Böschungen und Graswege. Nur dort finden sie in der intensiv genutzten Agrarlandschaft die Kräuter aus der so genannten Hasenapotheke. Das ist eine vielfältige Kräutermischung mit Kamille, Kümmel oder Salbei, die der BJV entwickelt hat. Nahrhafte Wildkräuter halten die Hasen gesund und sorgen dafür, dass die Junghasen schnell aus dem Gröbsten rauswachsen.

Der Feldhase steht auf dem Speiseplan von vielen Fressfeinden. Nicht nur der Fuchs hat den Hasen zum Fressen gern, auch Marder und Wiesel, der Habicht und die Rabenkrähe, Hunde und Katzen.

Feldhase und Kaninchen werden oft verwechselt, obwohl sie sich gar nicht besonders ähnlich sind. Der Feldhase ist viel größer als das Kaninchen, er ist braun und hat die typischen langen Ohren. Das Kaninchen kleidet sich in grau und es trägt keine Löffel wie Meister Lampe. Und noch ein Unterschied: Während der Hase auf dem Feld, im Acker, auf der Wiese oder im Wald lebt, wohnt das Kaninchen unterirdisch in einem Bau. Nicht selten zieht das Kaninchen übrigens in einen Fuchsbau ein, auch wenn der vom Fuchs noch genutzt wird.

Der Zuwachs aus dem vergangenen Jahr lässt hoffen, dass die Kinder beim Osterspaziergang wieder einmal echte „Oster“-hasen sehen. Und wer nicht mehr bis Ostern warten will, der kann schon mal in einem Video des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) „Wissen, wo der Hase läuft“ reinklicken und schauen, was die Jäger alles für die Feldhasen in ihrem Revier tun.

Bildnachweis: August Falkner / piclease