Jagd gegen Natur

„Covid19 bringt die Menschheit in eine sehr schwierige Lage, aber was mit dem Schlagwort „Hunting4future“ auf die Rehe zukommt, ist für die Rehe absolut tödlich“, sagt Dr. Ernst-Ulrich Wittmann, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverein Dachau (JJVD). Dieses Schlagwort verwenden Jagdscheinbesitzer, die sich „Ökojäger“ nennen. Mit diesem der Zeit entsprechenden Slogan stellen sie wieder einmal die Forderung nach höheren Abschusszahlen für Reh- und Rotwild.

„Wer im Frühsommer Drückjagden auf Reh- und Rotwild fordert“, so Thomas Schreder, BJV-Vizepräsident und Biologe, „der zeigt, dass ihm der Tierschutz völlig gleichgültig ist. Auf einer Drückjagd im Frühsommer ist der Muttertierschutz und das Wohl der Jungtiere nicht zu garantieren. Nicht auszudenken, wenn die hochträchtige Geiß kurz vor dem Setzen auch noch mit Hunden durch den Wald getrieben wird oder ein Muttertier, das von seinem gerade erst geborenen Nachwuchs getrennt wurde, geschossen wird“. Hierzu Dr. Ernst-Ulrich Wittmann: „Wer so respektlos mit unseren Wildtieren umgeht und so verantwortungslos gegenüber der Natur handelt, ist ein „Ökojäger“, aber kein Jäger. Das ist Jagd gegen die Natur.“

Eine zukunftsorientierte Jagd richtet sich nach ökologischen Gesichtspunkten und sieht das Ökosystem als Ganzes, betont der Biologe Schreder: „Pflanzen und Pflanzenfresser gehören zusammen und bilden gemeinsam das Ökosystem „Wald“. Wer den Wald langfristig ökologisch umbauen will – und das ist auch im Interesse des BJV – muss das System als Ganzes sehen und nicht einfach immer nur plump nach höheren Abschussquoten rufen.“

Nachdem die „Ökojäger“ als alleiniges Heilmittel die Dezimierung – eher Ausrottung – der kleinsten heimischen Hirschart, dem Reh, sowie des Rotwilds fordern, ansonsten für den Waldumbau aber keine Vorschläge haben, stellen sich für Dr. Ernst-Ulrich Wittmann die Fragen: „Geht es hier eigentlich nur um des Schießens willen? Will man ähnliche Gemetzel wie Anfang des Jahres in Tirol, wo 33 Stück Rotwild unter fragwürdigem Vorwand im Gatter zusammengeschossen wurden?“ Worüber sich Dr. Ernst-Ulrich Wittmann auch wundert: Kein Aufschrei von PETA oder anderen sogenannten Tierschutzorganisationen, keine Demonstrationen der „Bambimörderfraktion“, keine brennenden Jägerstände oder Autos der „Ökojäger“. Öko ist halt Öko.

Aus Sicht des JJVD und des BJV sind gemeinsame Anstrengungen von Jagdgenossen, Waldbesitzern und Jägern nötig, um langfristig erfolgreich zu sein. Dazu gehören ein Lebensraumkonzept, ausreichend Ruhe für das Wild und natürlich eine angepasste Jagdstrategie nach den gesetzlichen Vorgaben. Der Naturnutzer will Wald und Wild sehen.