Das neue Jagdgesetz – es besteht Nachbesserungsbedarf

„Die freilebende Tierwelt ist wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Sie ist als Teil des natürlichen Wirkungsgefüges in ihrer Vielfalt zu bewahren.“ Dieser Grundsatz, so betont Dr. Ernst-Ulrich Wittmann, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverein Dachau (JJVD), müsse aus Sicht der führenden jagdlichen Verbände in Deutschland dringend in das neue Bundesjagdgesetz aufgenommen werden.

Dr. Ernst-Ulrich Wittmann zu den angedachten Änderungen im Jagdgesetz: „Im derzeit vorliegenden Referentenentwurf werden die wildlebenden Tierarten viel zu wenig berücksichtigt. Der Schwerpunkt liegt ausschließlich auf der Situation der Waldbestände. Es wird aber nicht das Waldgesetz novelliert, sondern das Jagdgesetz. Entsprechend muss den Wildtieren ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.“

Wie viele Wildtiere (Reh, Hirsch und Gams) es in Bayern überhaupt gibt, wissen wir nicht. Trotzdem predigen der so genannte Ökologische Jagdverein, der Bund Naturschutz und Teile der Waldbesitzer immer wieder, dass es zu viel Wild gäbe und dass deshalb der Wald kurz vor dem Untergang stehe. Vorsitzender Dr. Ernst-Ulrich Wittmann „Es ist einfach, den Jägern und dem Wild die Schuld in die Schuhe zu schieben, um von eigenen Fehlern abzulenken. Und es ist bequem, an uralten Vorurteilen festzuhalten und die längst vergangene Zeit der Trophäenjagd aus dem Hut zu ziehen.“

Die jetzige Jagd sieht anders aus. Sie ist weit weg von überhöhten Wildbeständen und weit weg von einer Trophäenjagd. Die moderne Jagd sorgt mit der Bejagung für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wildtieren und Lebensraum, hilft bei der Abwehr von übermäßigen Wildschäden und bringt mit der Erlegung von Wildtieren ein hochwertiges Lebensmittel – heimisches Bio-Wildfleisch – auf unsere Teller. Die moderne Jagd sorgt sich um die Wildbestände, nimmt selbstverständlich die gesetzliche Pflicht zur Hege wahr und ist in enger Abstimmung mit ihren Partnern, den Landwirten vor Ort, bei der Verbesserung der Lebensräume aktiv. Dieses aktuelle Bild der Jagd wird aber nicht von jedem (an-)erkannt.

Selbstverständlich ist der Umbau zu klimastabilen Wäldern ein wichtiges Anliegen, den die Jägerschaft unmissverständlich unterstützt. Aber auch Pappeln, Birken oder Weiden, bilden Wurzeln aus und halten damit den Boden zusammen, binden CO2 aus der Luft. Diese Baumarten sind sehr robust und müssen nicht angepflanzt werden. Dazu gibt es unzählige weitere verholzte Strukturelemente, die einen natürlichen, klimastabilen Wald ausmachen würden. Sie alle haben aber einen Fehler, sie werfen kaum Ertrag ab.

Die von den selbst ernannten Ökojägern, vom Bund Naturschutz und manchen Teilen der Waldbauern immer wieder kehrenden Forderungen nach höheren Abschusszahlen für Reh, Rotwild und Gams lassen durchaus vermuten, dass allein die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen. Keines der Argumente dieser Ideologen dreht sich darum, die natürliche Waldzusammensetzung zu stabilisieren, sie sind vielmehr so ausgelegt, ökonomisch verwertbare Baumarten ohne viel Aufwand hoch zu bringen.

Dr. Ernst-Ulrich Wittmann: „Diese wirtschaftlichen Interessen sind ein legitimes Ziel eines jeden Waldbauern und es ist absolut verständlich, dass diese wirtschaftlichen Ziele mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden sollen. Dann aber sollte das auch ehrlich so als rein wirtschaftliches Ziel verkauft werden, statt den Retter des Ökosystems „Wald“ vorzugaukeln.“

„Es war der Mensch“, so Dr. Ernst-Ulrich Wittmann, „der die natürlich gemischte Waldstruktur zu Gunsten wirtschaftlichen Profits verändert hat. Und jetzt soll laut den Vorschlägen zum Bundesjagdgesetz das Reh, der Hirsch und die Gams für diese vom Menschen verursachte Entwicklung mit dem Leben bezahlen?“ Um dieses von Menschenhand gemachte Missverhältnis im Wald wieder gerade zu rücken, reicht es nicht, einfach nach immer höheren Abschusszahlen zu rufen. Notwendig ist ein ausgeklügeltes, auf lange Zeit angelegtes und auf wildbiologischen Erkenntnissen basierendes Konzept von waldbaulichen Maßnahmen und jagdlichen Methoden gleichermaßen. Die Jagd kann den Waldumbau unterstützen, aber sie kann immer nur einer von vielen Bausteinen sein.

Zu diesem Thema finden Sie auch eine Stellungnahme von “Team Zukunft BJV” unter https://team-zukunft-bjv.de/Aktuelles/ >>

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