Aujeszky-Krankheit: Tödliche Gefahr für den Jagdhund!

Die Aujeszky-Krankheit (auch Pseudowut oder Aujeszkysche Krankheit genannt) ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende und virusbedingte Erkrankung vieler Säugetierarten. Benannt wurde das Virus nach dem ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky.

Das Aujeszky-Virus gehört zur Familie der Herpesviren, d.h. der Hauptwirt ist nach der Ansteckung lebenslang latent infiziert – das Virus „schlummert“, ähnlich wie beim „Lippenherpes“ des Menschen. Durch ein geschwächtes Immunsystem (z.B. bei Stress) wird das Virus reaktiviert und gelangt in Lymph- und Blutgefäße, wodurch es zum Ausbruch der Krankheit kommt.

Als Hauptwirt fungiert das Haus- bzw. Wildschwein. Die meisten Schweine zeigen jedoch keinerlei Symptome und überleben den Ausbruch der Infektionskrankheit, lediglich Saugferkel können daran sterben.

Der Mensch gilt als resistent, aber gerade für Hundeführer ist es wichtig zu wissen, dass es auch zur Ansteckung unserer Hunde kommen kann. Die Hunde können sich an allen Sekreten und Exkreten wie Nasensekret, Augenflüssigkeit und Sekreten aus den Geschlechtsteilen des Wildschweines infizieren. Blut ist nach heutigen Erkenntnissen nicht ansteckend!

Hat sich der Jagdhund mit dem aktiven Virus infiziert, endet dies immer tödlich und es gibt keine Behandlungsmöglichkeit. Von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es zwei bis maximal fünf Tage. Hauptsymptom ist ein extremer Juckreiz, meist von den Ohren ausgehend. Die betroffenen Hunde kratzen sich so stark, dass teilweise der blanke Knochen frei liegt. Weitere Symptome können Schwäche, Orientierungslosigkeit, Angst, Unruhe, Speicheln, Erbrechen oder Atemnot sein. Da der Hund als Endwirt fungiert, kann er keine weiteren Hunde anstecken.

Als Tierarzt werde ich häufig nach einem Impfstoff gefragt: Es gibt im Ausland einen Totimpfstoff für Hausschweine, der für Hunde aber nicht wirksam ist, was auch eine unveröffentlichte Studie aus Belgien belegt. Da die Pseudowut bei Hunden vergleichsweise selten auftritt, ist die teure Erforschung eines Impfstoffs für die Pharmaindustrie unrentabel, so dass auch in Zukunft nicht mit der Entwicklung einer Schutzimpfung für Hunde zu rechnen ist.

In Deutschland und auch in Bayern werden seit einigen Jahren Wildschweine flächendeckend serologisch auf die Aujeszky-Krankheit beprobt. Laut dem aktuellen Bericht für das Jahr 2018 des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) geht hervor, dass die bayernweit untersuchten Wildschweine zu 10 bis 12 Prozent infiziert sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Jagdhunde bei jedem zehnten Wildschwein infizieren können, da das Virus in aktivierter Form vorliegen muss!

Die Gefahr am wehrhaften Wild oder im Straßenverkehr zu sterben ist für Jagdhunde um ein Vielfaches höher. Trotzdem sollten Hundeführer Vorsichtsmaßnahmen beachten, um das Ansteckungsrisiko für den Jagdhund auf ein Minimum zu reduzieren: Vermeiden sie unkontrollierten Kontakt z.B. am Strecken- oder Aufbruchplatz und verfüttern Sie nie rohes Schweinefleisch.

Verfasser: Dr. Dominik Diepold

Bildnachweis: Helmut Heimpel / piclease

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